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HBCD-Diagnose in der Schweiz

HBCD-Diagnose in der Schweiz: Vorhandensein in Polystyrol-Dämmstoffen, Sortierobligationen und Entsorgungskanäle. Rechtsrahmen und Analyse.

Was ist HBCD und warum findet es sich in Dämmstoffen?

Hexabromcyclododekan (HBCD) ist ein bromiertes Flammschutzmittel, das als Additiv in expandiertem (EPS) und extrudiertem (XPS) Polystyrol-Dämmstoffen über mehrere Jahrzehnte eingebaut wurde. Seine Rolle war es, die Feuerbeständigkeit dieser Wärmedämmmaterialien zu verbessern und damit die Brandschutzanforderungen für Gebäude zu erfüllen.

HBCD wurde ab den 1960er Jahren massenhaft verwendet und seine Nutzung setzte sich bis etwa 2015 fort, zu welchem Zeitpunkt die Hersteller ihre Produkte nach der Entscheidung, HBCD in die Liste der persistenten organischen Schadstoffe (POP) der Stockholmer Konvention aufzunehmen, neu formulieren mussten. Dieser Übergang bedeutet, dass vor 2015 hergestellte Polystyrol-Dämmstoffe höchstwahrscheinlich mit HBCD belastet sind, während nach diesem Datum produzierte Dämmstoffe alternative Flammschutzmittel verwenden.


Wo befindet sich HBCD in Gebäuden?

HBCD ist in Polystyrol-Dämmstoffen enthalten, die in zahlreichen Bauanwendungen zu finden sind:

  • Aussenwärmedämmung (WDVS): Die Aussendämmsysteme, die seit den 1980er Jahren für die energetische Sanierung von Fassaden weit verbreitet sind, verwenden hauptsächlich auf die Fassade geklebte und mit Putz bedeckte expandierte Polystyrolplatten (EPS). Alle vor 2015 mit EPS installierten WDVS enthalten wahrscheinlich HBCD.
  • Flachdächer und Umkehrdächer: Terrassendächer verwenden oft extrudierten Polystyrol (XPS) als Dämmschicht, unter oder über der Abdichtungsmembran. Diese vor 2015 installierten Dämmstoffe sind betroffen.
  • Böden auf Erdreich und Decken über Untergeschossen: Polystyrol-Dämmunterlagen in Böden, insbesondere in Konstruktionen mit schwimmenden Estrichs, können HBCD enthalten.
  • Rollladenkästen: Vorgefertigte Rollladenkästen integrieren oft EPS als Dämmstoff. Diese Elemente, häufig bei Fenstersanierungen der 1990er bis 2010er Jahre, können HBCD enthalten.
  • Dachbodendämmung: Bestimmte Dämmplatten für Schrägdächer oder ausgebaute Dachböden verwenden Polystyrol.
  • Innenwanddämmung: Komplexe Verbundpaneele aus Polystyrol und Gipsplatte (Thermo-Akustik-Verkleidung) können in ihrer Dämmschicht HBCD enthalten.

Warum ist HBCD reglementiert?

HBCD weist drei Merkmale auf, die zu seiner Klassifizierung als persistenter organischer Schadstoff (POP) durch die Stockholmer Konvention und zu seinem schrittweisen Verbot geführt haben:

  • Umweltpersistenz: HBCD baut sich in Böden und Gewässern sehr langsam ab. Einmal in die Umwelt freigesetzt — durch die Verbrennung nicht geeigneter Abfälle, durch Deponierung oder durch Materialdegradierung — kann es über Jahrzehnte persistieren.
  • Bioakkumulation: HBCD hat eine starke Affinität zu Fetten und akkumuliert in Lebewesen durch die Nahrungskette. Bedeutende Konzentrationen wurden in Meeresorganismen, Raubtieren und beim Menschen gemessen.
  • Toxizität: HBCD weist endokrine Toxizität (Hormonwirkung), Neurotoxizität (Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung bei Exposition in utero oder neonatal) und dokumentierte Auswirkungen auf die Reproduktion in Tierstudien auf. Seine Langzeitauswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind besorgniserregend.

Die Stockholmer Konvention, von der Schweiz ratifiziert, verlangt die Eliminierung der HBCD-Verwendung und die angemessene Bewirtschaftung HBCD-haltiger Abfälle. In der Schweiz sind die sich aus dieser Konvention ergebenden Pflichten in die ChemRRV und die Abfallgesetzgebung integriert.


Der schweizerische Rechtsrahmen

  • Die ChemRRV (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, SR 814.81) integriert die Verpflichtungen der Stockholmer Konvention. Sie regelt die Verwendung der POP, einschliesslich HBCD, und stellt spezifische Anforderungen für ihre Verwaltung bei der Entsorgung.
  • Die Abfallgesetzgebung (USG und VVEA) setzt den HBCD-Gehaltsschwellenwert, ab dem Dämmstoff-Abfälle als Sonderabfälle behandelt werden müssen: Dieser Schwellenwert liegt allgemein bei 1 000 mg/kg (1 g/kg). Dämmstoffe, die diesen Schwellenwert überschreiten, können nicht auf gewöhnlichen Deponien oder in klassischen Recyclingkanälen entsorgt werden — sie müssen in speziell für Sonderabfälle zugelassenen Anlagen verbrannt werden.
  • Die Bauarbeitenverordnung (BauAV) findet ebenfalls Anwendung: Vor jeder Baustelle, die den Rückbau oder das Schneiden von Polystyrol-Dämmstoffen an einem vor 2016 gebauten oder renovierten Gebäude beinhaltet, empfiehlt es sich, das Vorhandensein von HBCD zu prüfen, um eine angemessene Abfallbewirtschaftung zu ermöglichen.

Wie erkennt man das Vorhandensein von HBCD?

Das Vorhandensein von HBCD in einem Polystyrol-Dämmstoff kann absolut nicht visuell bestimmt werden. EPS- oder XPS-Platten, die HBCD enthalten, sind äusserlich identisch mit jenen, die es nicht enthalten. Die Farbe (weiss, grau, blau je nach Marke und Typ) ist kein Indikator für das Vorhandensein oder Fehlen von HBCD.

Die einzige zuverlässige Methode ist die Laboranalyse:

  • Probenahme: Ein kleines Dämmstoff-Fragment wird vom zu analysierenden Material entnommen. Die Probenahmeprotokolle sind einfach und wenig invasiv.
  • Analyse per Massenspektrometrie: Die Probe wird in einem SAS-akkreditierten Labor per Massenspektrometrie oder per Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC-MS) analysiert. Diese Methode erlaubt die präzise Quantifizierung des HBCD-Gehalts.
  • Vergleich mit dem regulatorischen Schwellenwert: Das Ergebnis wird mit dem Schwellenwert von 1 000 mg/kg verglichen, um zu bestimmen, ob das Material bei seiner Entsorgung als Sonderabfall behandelt werden muss.

Ablauf einer HBCD-Diagnose

  • Identifikation der zu prüfenden Materialien: Der Diagnostiker oder der Auftraggeber identifiziert die Gebäudebereiche, in denen Polystyrol-Dämmstoffe vorhanden sind, insbesondere im Rahmen der Vorbereitung einer energetischen Renovierungsbaustelle, des Ersatzes eines Flachdaches oder einer Fassadenrenovierung.
  • Überprüfung des Einbauzeitraums: Wenn das Einbaudatum der Dämmstoffe bekannt und dokumentiert ist und nach 2016 liegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Dämmstoffe kein HBCD enthalten. Im Zweifelsfall oder bei fehlender Dokumentation ist die Analyse empfohlen.
  • Probenahmen und Analysen: Dämmstoff-Fragmente werden an repräsentativen Stellen entnommen und zur Analyse an das Labor übermittelt.
  • Ergebnisse und Entscheidung: Je nach Ergebnissen werden die bei den Arbeiten anfallenden Dämmstoff-Abfälle als gewöhnliche Abfälle (wenn Gehalt < 1 000 mg/kg) oder als Sonderabfälle (wenn Gehalt ≥ 1 000 mg/kg) behandelt.

Praktische Auswirkungen für energetische Renovierungsbaustellen

Die Welle energetischer Renovierungen in der Schweiz — Fassadendämmung, Flachdachersatz, Verbesserung der Gebäudehülle — betrifft genau die Materialien, die HBCD enthalten könnten. Renovierungsprojekte, die den Ersatz alter WDVS-Systeme oder alter Abdichtungsmembranen mit integrierter Dämmung beinhalten, müssen die HBCD-Prüfung in ihre Vorbereitung integrieren.

Die Mehrkosten aus der Bewirtschaftung von HBCD-Sonderabfällen (separate Sortierung, Transport über zugelassenen Kanal, Verbrennung in zugelassener Anlage) können gegenüber einer gewöhnlichen Entsorgung bedeutend sein. Dieser Kostenunterschied muss im Projektbudget antizipiert werden. Die fehlende vorherige Prüfung und die fehlende korrekte Sortierung setzt den Bauherrn und das Bauunternehmen Sanktionen wegen Verletzung der Abfallgesetzgebung aus.


HBCD-Diagnose in Genf und im Kanton Waadt

HBCD ist hauptsächlich in vor 2015 in den Kantonen Genf und Waadt verlegten Polystyrol-Wärmedämmungen vorhanden. Die energetischen Gebäuderenovierungsprogramme, in beiden Kantonen besonders aktiv, erzeugen eine wachsende Anzahl von Dämmstoff-Abfällen, die potenziell HBCD enthalten. Unsere Experten sind im gesamten Gebiet beider Kantone tätig.


HBCD-Diagnose im Rahmen eines Gesamtauftrags

Die HBCD-Diagnose wird oft zusammen mit anderen Schadstoffe-Diagnosen im Rahmen eines Baubaustellenvorbereitungsauftrags durchgeführt. Bei einem zwischen 1970 und 2000 erbauten Gebäude sind die potenziell vorhandenen Schadstoffe: Asbest (wenn vor 1991 gebaut), PAK (in bituminösen Belägen) und HBCD (in vor 2015 verlegten Dämmstoffen). Ein integrierter Ansatz ermöglicht die Identifizierung aller dieser Schadstoffe in einem einzigen Einsatz.

Besuchen Sie unsere Seite Asbest-Diagnose Westschweiz für einen Überblick über den Mehrschadstoffe-Ansatz, oder fordern Sie eine individuelle Offerte für Ihr Renovierungsprojekt an.

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