Was sind PCB und warum finden sie sich in Gebäuden?
Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind eine Gruppe von 209 synthetischen organochlorierten Verbindungen, die ab den 1930er Jahren industriell wegen ihrer ausgezeichneten chemischen und thermischen Stabilität, elektrischen Beständigkeit und Unbrennbarkeit produziert wurden. Diese Eigenschaften machten sie attraktiv für zahlreiche industrielle Anwendungen und im Bauwesen für spezifische Bauprodukte.
Im Bauwesen wurden PCB hauptsächlich in zwei Produkttypen zwischen 1955 und 1975 eingebaut:
- Dehnungsfugen und Dichtkitte: PCB wurden als Weichmacher in Kitten für Fugen zwischen Betonfertigteilelementen verwendet. Diese Fugen sind in Fassaden, Böden, Parkings, Ingenieurbauwerken und Gebäuden mit vorgefertigter Skelettkonstruktion typisch für den Massenbau der 1960er bis 1970er Jahre.
- Korrosionsschutz- und Bodenfarben: Bestimmte industrielle Farben auf Basis von chlorierten Harzen enthielten PCB als Weichmacher. Sie finden sich in Industriegebäuden, überdachten Parkings, Fabrikhallen und bestimmten öffentlichen Gebäuden dieser Epoche.
- Elektrische Kondensatoren und Transformatoren: PCB wurden als Dielektrikum-Fluid in Kondensatoren und bestimmten in Technikräumen installierten Transformatoren verwendet. Obwohl es sich um Ausrüstungen und keine Baumaterialien handelt, kann ihre Anwesenheit bei Undichtigkeiten zu einer Kontamination der umgebenden Räume führen.
- Abdichtungs- und Verfüllungsprodukte: Bestimmte für die Abdichtung von Kellern, Dächern oder Behältern verwendete Produkte konnten PCB enthalten.
Verwendungszeitraum und Verbot in der Schweiz
PCB wurden in Gebäuden hauptsächlich zwischen 1955 und 1975 verwendet. Nach der schrittweisen Bewusstwerdung ihrer Toxizität und ihrer Umweltpersistenz wurden ihre Produktion und Verwendung schrittweise eingeschränkt. In der Schweiz wurden PCB in neuen Anwendungen ab 1986 verboten.
Dieses Verbotsdatum bedeutet, dass Gebäude, die zwischen 1955 und 1986 gebaut oder renoviert wurden, PCB-haltige Produkte enthalten können. In der Praxis sind Gebäude der Periode 1960 bis 1975 am stärksten betroffen, da es in diesem Jahrzehnt war, dass die Betonfertigteilbauweise und PCB-haltige Fugenprodukte am weitesten verbreitet waren.
Alternde PCB-Fugen degradieren schrittweise: Sie schrumpfen, reissen, werden brüchig. Die Substanz migriert dann auf die angrenzenden Betonoberflächen und in den Umgebungsstaub und kontaminiert die Bereiche nahe den Fugen. In Gebäuden mit Fugen in schlechtem Zustand können bedeutende PCB-Gehalte in der Innenluft und im Oberflächenstaub gemessen werden.
Die am stärksten betroffenen Gebäude
Das Vorhandensein von PCB in Gebäuden korreliert stark mit der Bauperiode und dem Bautyp:
- Mehrfamiliengebäude aus Betonfertigteilen: Die Fertigteilbauweise war für die grossen Wohnanlagen der 1960er bis 1970er Jahre sehr verbreitet. Die Fugen zwischen Fassadenpaneelen und zwischen Deckenelementen sind die vorrangig zu prüfenden Stellen.
- Verwaltungs- und Schulgebäude: Die öffentlichen Bauten der 1960er bis 1975er Jahre haben oft dieselben Fertigbautechniken eingesetzt.
- Überdachte und halbversenkte Parkings: Betonfertigteil-Parkingstrukturen weisen oft Dehnungsfugen mit PCB auf grossen Flächen auf.
- Industriegebäude: Industriehallen, Lagerhäuser und Produktionsgebäude, die zwischen 1955 und 1975 gebaut oder renoviert wurden, können PCB-haltige Korrosionsschutz- oder Bodenfarben enthalten.
- Krankenhaus- und institutionelle Gebäude: Der Massenbau von Spitälern und Pflegeeinrichtungen in den 1960er bis 1970er Jahren hat oft PCB-haltige Fugenprodukte verwendet.
Die gesundheitlichen und Umweltrisiken von PCB
PCB sind als prioritäre gefährliche Substanzen aufgrund von drei kombinierten Merkmalen anerkannt:
- Persistenz: PCB bauen sich in der Umwelt sehr langsam ab. Einmal freigesetzt, persistieren sie in Böden, Sedimenten und Lebewesen über Jahrzehnte.
- Bioakkumulation: PCB akkumulieren in den Fetten lebender Organismen und konzentrieren sich durch die Nahrungskette. Wesen am Ende der Nahrungskette — einschliesslich des Menschen — weisen die höchsten Gehalte auf.
- Toxizität: PCB sind auf zahlreichen Ebenen toxisch. Sie stören das Hormonsystem (endokrine Disruptoren), beeinflussen das Immunsystem, haben neurotoxische Auswirkungen und werden von der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen klassifiziert. Bestimmte PCB-Kongener sind als nachgewiesene Krebserreger klassifiziert.
Hinsichtlich der Gebäuderisiken sind die Expositionswege die Inhalation der durch degradierte PCB-Fugen verunreinigten Innenluft, der Hautkontakt oder die Einnahme von verunreinigtem Staub bei Arbeiten an PCB-Materialien.
Der schweizerische Rechtsrahmen
- Die ChemRRV (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, SR 814.81) verbietet die Verwendung und das Inverkehrbringen von PCB in der Schweiz. Sie definiert auch die Schwellenwerte, ab denen PCB-haltige Materialien als Sonderabfälle behandelt werden müssen.
- Die Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA) klassifiziert PCB-haltige Abfälle über den regulatorischen Schwellenwerten (allgemein 50 mg/kg) als Sonderabfälle. Ihr Transport und ihre Entsorgung unterliegen strengen Verfahren mit Ausstellung von Begleitscheinen.
- Die Bauarbeitenverordnung (BauAV) verlangt die Prüfung auf gefährliche Substanzen vor jeder Baustelle. PCB fallen in diese Kategorie: Vor jeder Baustelle, die Fugen, Farben oder andere PCB-Materialien in einem Gebäude der betreffenden Periode stören könnte, ist eine vorherige Prüfung notwendig.
- Die Stockholmer Konvention klassifiziert PCB unter den persistenten organischen Schadstoffen (POP), die eliminiert werden sollen. Die Schweiz, Signatorin dieser Konvention, hat sich zur schrittweisen Eliminierung von PCB aus ihrem Gebiet verpflichtet.
Analysemethoden für PCB
Das Vorhandensein von PCB in einem Material kann nicht visuell bestimmt werden. Die Laboranalyse ist unerlässlich.
Materialprobenahmen: Proben von Fugen, Farben, Oberflächenstaub oder an Fugen angrenzendem Beton werden gemäss normierten Protokollen entnommen. Die entnommenen Mengen sind gering, aber ausreichend für die Analyse.
Chemische Laboranalyse: Die Proben werden durch Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC-MS) oder durch Elektroneneinfangdetektor (GC-ECD) analysiert. Diese Methoden ermöglichen die Identifizierung und Quantifizierung der verschiedenen vorhandenen PCB-Kongener mit einer Empfindlichkeit, die die Detektion sehr niedriger Gehalte erlaubt.
Messungen der Innenluft: In Gebäuden mit wichtigen Zeichen der PCB-Fugendegradierung können Messungen der PCB-Konzentration in der Umgebungsluft durchgeführt werden, um die tatsächliche Exposition der Nutzer zu beurteilen.
Ablauf einer PCB-Diagnose
- Vorinspektion: Der Spezialist inspiziert das Gebäude zur Identifizierung der Bereiche mit Dehnungsfugen, Farben oder anderen Materialien, die PCB enthalten könnten. Er bewertet den Degradierungszustand der sichtbaren Fugen und identifiziert die Prioritätsstellen für die Probenahmen.
- Gezielte Probenahmen: Probenahmen werden an den bei der Inspektion identifizierten verdächtigen Materialien durchgeführt. Die Anzahl der Probenahmen hängt von der Fläche und der Materialvielfalt ab.
- Laboranalysen: Die Proben werden zur Analyse per GC-MS oder GC-ECD an ein SAS-akkreditiertes Labor übermittelt.
- Bericht und Empfehlungen: Der Bericht präzisiert die positiven Materialien mit ihren Gehalten, ihrer Lokalisierung und ihrem Zustand. Er formuliert Empfehlungen zu den je nach detektiertem Kontaminationsniveau zu ergreifenden Massnahmen (Notfallmassnahmen, Rückbauprogramm, Schutzmassnahmen für Arbeiten, Überwachung).
- Bewirtschaftungsplan: Für Gebäude mit bedeutenden Kontaminationen wird ein Bewirtschaftungsplan erstellt, um die Reihenfolge und Methoden der Dekontamination zu definieren.
Die Dekontaminationspflicht
Wenn PCB über den regulatorischen Schwellenwerten in einem Gebäude nachgewiesen werden, ist die Dekontamination erforderlich. Sie kann verschiedene Formen annehmen:
- Fugenersatz: Die kontaminierten Fugen müssen durch ein Spezialunternehmen mit angemessener Schutzausrüstung entfernt und durch PCB-freie Produkte ersetzt werden. Die erzeugten Abfälle werden als Sonderabfälle entsorgt.
- Behandlung kontaminierter Oberflächen: Der an Fugen angrenzende Beton kann PCB durch Migration absorbiert haben. Je nach gemessenen Gehalten kann eine Abrasion oder Behandlung der Oberflächen notwendig sein.
- Belüftung und Luftsanierung: In Gebäuden mit Innenraumluft-Kontamination können verstärkte Belüftungsmassnahmen während und nach der Dekontamination empfohlen werden.
PCB-Diagnose in Genf und im Kanton Waadt
Zwischen 1955 und 1975 in den Kantonen Genf und Waadt erbaute Gebäude sind am stärksten von PCB betroffen, insbesondere Mietgebäude, Schulgebäude und Industriebauten. Die grossen Wohnanlagen der 1960er bis 1970er Jahre in Meyrin, Vernier, Onex oder Renens weisen ein hohes PCB-Risiko in den Dehnungsfugen und Verglasungskitten auf.
Unsere Diagnostiker sind in beiden Kantonen für PCB-Untersuchungen tätig, die oft ergänzend zu einer Asbest-Diagnose durchgeführt werden.
Mehrschadstoffe-Ansatz: PCB, Asbest, PAK und HBCD
In Gebäuden der Periode 1955 bis 1975 können mehrere Schadstoffe koexistieren: Asbest in technischen Anlagen und Dächern, PCB in Fugen und Farben, PAK in bituminösen Belägen. Ein Mehrschadstoffe-Diagnoseansatz, der in einem einzigen Auftrag durchgeführt wird, ermöglicht die Identifizierung aller gefährlichen Substanzen unter Optimierung der Inspektionszeit und der Analysekosten.
Dieser globale Ansatz ist besonders für grosse Renovierungs- oder Abbruchprojekte relevant, bei denen alle Materialien betroffen sein werden. Für weitere Informationen zu anderen Gebäudeschadstoffen besuchen Sie die Seiten PAK-Diagnose und Blei-Diagnose.
Für eine Offertanfrage für eine PCB- oder Mehrschadstoffe-Diagnose in der Westschweiz besuchen Sie die Seite Asbest-Diagnose Offerte.